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Regionen | St.Gallen | Mittwoch, 19. Mai 2004

Geschichten und Gedichte

Vier Autoren in der Lesung von Astrid Falk-Schober

Wittenbach. «Ausschnitte im Querschnitt» betitelte Astrid Falk-Schober ihre Lesung, die im Schloss Dottenwil vier ganz verschiedene Autoren in musikalisch abgegrenzten Blöcken dem Publikum näher brachte. Neben Eigenem stellte die Autorin Werke und Leben von Zedtwitz, Jesenska und Schneider vor.

«Der Grimassenschneider»

Astrid Falk-Schober hatte während fünf Jahren auf Schloss Dottenwil Anlässe organisiert, darunter auch eine Lesung mit dem Grafen Joachim von Zedtwitz im Jahr 1998. Der damals 88- jähriger Schriftsteller, Arzt, Maler und Komponist schrieb zeitkritische Texte, die unter anderem im Buch «Der Grimassenschneider von Zürich» veröffentlicht wurden. Aus dieser Geschichtensammlung las sie einen Dialog zwischen Teufel und Herrgott, die mit viel Humor die Welt betrachten. «Einbürgerung» brachte die in Form eines Gedichts geschriebene Prüfung des Kandidaten Jobs, der die Einbürgerungskommission mit unverblümt kritischen Antworten in Verlegenheit bringt. Da es sich dabei aber um Wahrheiten handelt, wird er dennoch eingebürgert.

Milena Jesenska

Die engagierte Journalistin und Autorin kämpfte gegen den Anschluss der Tschechischen Republik an das Deutsche Reich, verhalf zusammen mit J. v. Zedtwiz den Juden zur Flucht und bezahlte schliesslich ihre Tätigkeit mit dem Tod im Konzentrationslager Ravensbrück 1944. Berühmt geworden ist Milena Jesenska nicht durch ihre Reportagen und Feuilletons, die heute zu wichtigen Dokumenten aus der Zeit zwischen zwei Weltkriegen zählen, sondern durch ihre Korrespondenz mit Franz Kafka, dessen grosse Liebe sie war. Aus dem Buch «Alles ist Leben» bekamen die Zuhörer die Zwiegespräche mit ihrem Herzen, eine Reisebeschreibung («Herz auf Probefahrt») zu hören. Mit Originalität und Humor macht sich die Autorin darin Vorwürfe, «dass das Herz Angst hat in der Fremde, Misstrauen gegenüber der Welt und das es nichts tut gegen die deutsche Katastrophe». Ein Ausschnitt aus einem wenig bekannten literarischen Schaffen.

Robert Schneider

Sensibel und leise begleiteten Aline und Yarif die Vorleserin und schlossen den ersten Teil der Lesung mit einem traurigen, dunkelgefärbten Lied «Como me duele perderte». Dann las Astrid Falk aus dem Buch Robert Schneiders «Die Unberührten». Geschehnisse und Realität verbanden Aline und Astrid zu einem sensiblen Eins, entsprechend der Aussage von Schneider: «Wir alle haben einmal unser Leben vorausgesehen. Unser geglücktes Leben. Seitdem tasten wir mit blinder Sehnsucht durch die Zeit.» Leider las Astrid Falk-Schober aus ihrem eigenen Buch «Und bin nie wirklich angekommen» nur eine Kurzgeschichte und ein Gedicht über das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Leider, denn ihre Geschichten, darunter auch «Die Stecknadel im Heuhaufen» zum Thema «Was ist Kunst?», zeugen von feinem Humor und Erzähltalent, dem man gern länger gelauscht hätte.   Daniela S. Herman