Bild: Otto Forster

 

 

 

 

 

Die Herbstbraut

 

 

Sie steht am offenen Fenster.

Der Regen netzt die ausgemergelten Äcker,

unter einem Obstbaum sammeln

sich lautstark die Stare,

zwei Krähen schweben krächzend

über die Felder,

picken, hie und da.

Die Bäume sind fast kahl,

an den Ästen

hängen vereinzelt Blätter,

die irgendwann loslassen,

lautlos schwebend fallen.

Weit hinten im Wald hängen

die nassen Schleier des trüben Tages.

Von den Bergen mahnt der Geruch des Winters,

aber noch ist’s Herbst.

 

Sie steht am offenen Fenster

Frühling ist lange her.

In ihrem rotbraunen Haar verstecken

sich zartgraue Fäden,

auf ihrem rostroten Kleid tanzen

goldgelbe Blätter,

an ihren Schuhen Spuren von

Mutter Erde,

in ihrer Hand der letzte Strauss des Sommers

Malven, Dahlien, Astern.

Sie spürt noch die Sonnenstrahlen

vergangener Tage.

Ihr Herz ist voller Hoffnung

dass sie sich nochmals traut,

vor dem Winter.